Brandschutz Photovoltaik: Risiken erkennen bevor es brennt
Eine PV-Anlage auf dem Dach ist eine dauerhaft unter Spannung stehende Gleichstromanlage – auch nachts, auch bei Bewölkung, solange Licht auf die Module fällt. Das macht Brandschutz zu einer ernsthaften Aufgabe. Lichtbogenentladungen an defekten Steckverbindungen, Hotspots durch geschädigte Solarzellen und überhitzte Kabel verursachen jedes Jahr Brände mit erheblichem Sachschaden. Dieser Ratgeber erklärt die häufigsten Ursachen, warum sie mit bloßem Auge kaum erkennbar sind – und wie Thermografie als präventives Instrument Brände verhindert, bevor sie entstehen.
- PV-Brände: Zahlen und Ursachen
- Lichtbogenentladungen – die unsichtbare Gefahr
- Hotspots mit kritischer Temperaturdifferenz
- Überhitzte DC-Steckverbindungen
- Brandrisiko Wechselrichter und Anschlusskästen
- Normen und Vorschriften zum Brandschutz
- Thermografie als Brandschutzmaßnahme
- Empfohlene Prüfintervalle
- Häufige Fragen
PV-Brände: Zahlen und Ursachen
Die Zahl der durch PV-Anlagen verursachten oder mitverursachten Gebäudebrände steigt mit dem Bestand installierter Anlagen. Laut Auswertungen des VdS und von Feuerwehrverbänden entfallen auf PV-Anlagen schätzungsweise 2–4 % aller Dachbrände bei gewerblichen Gebäuden – eine Quote, die angesichts des wachsenden Anlagenbestands und steigender Systemleistungen weiter zunimmt.
Die häufigsten Brandursachen bei PV-Anlagen sind laut Schadenstatistiken: Lichtbogenentladungen an DC-Verbindungen (ca. 40 %), Überhitzung an Wechselrichtern und Stringboxen (ca. 25 %), Hotspots in Modulen mit kritischer Temperaturdifferenz (ca. 20 %) sowie externe Ursachen wie Blitzschlag oder Überspannung (ca. 15 %). Besonders gefährlich sind PV-Anlagen im Brandfall für Feuerwehreinsatzkräfte: DC-Leitungen stehen unter Sonneneinstrahlung dauerhaft unter Spannung und können nicht vollständig spannungsfrei geschaltet werden.
Lichtbogenentladungen – die unsichtbare Gefahr
Lichtbögen (Arc Faults) entstehen, wenn Gleichstrom durch eine Luftstrecke zwischen zwei Leitern fließt. Dies geschieht an gelockerten oder fehlerhaften MC4-Steckverbindungen, an beschädigten Kabeln mit Isolationsdefekten, an Klemmen mit unzureichendem Anzugsdrehmoment sowie an Korrosionsstellen in Anschlusskästen.
Die Besonderheit von DC-Lichtbögen im Vergleich zu AC-Lichtbögen: Gleichstrom hat keinen Nulldurchgang. Während ein Wechselstrom-Lichtbogen sich bei jedem Nulldurchgang selbst erlischt und dadurch begrenzbar ist, brennt ein DC-Lichtbogen kontinuierlich. Die dabei entstehenden Temperaturen übersteigen 3.000 °C – heiß genug, um Dämmstoffe, Holzkonstruktionen und Bitumenbahnen sofort zu entzünden.
Hotspots mit kritischer Temperaturdifferenz
Hotspots in Solarmodulen sind lokale Überhitzungen einzelner Zellen oder Zellbereiche, die entstehen, wenn diese Zellen mehr Energie in Wärme als in Strom umwandeln. Ursachen sind Verschattung, Mikrorisse, Zelldefekte oder Verunreinigungen. Hotspots mit einer Temperaturdifferenz von mehr als 30 K gegenüber der Modulumgebung gelten als kritisch und brandgefährlich.
Bei extremen Hotspots – Temperaturdifferenzen über 50–80 K – kann die lokale Modultemperatur Werte von 150–200 °C erreichen. Bei diesen Temperaturen beginnt die Einbettungsfolie (EVA) zu degradieren und kann sich entzünden. Der Brand breitet sich typischerweise langsam aus, weil die Modulfläche die Wärme zunächst ableitet – aber bei ungünstigen Bedingungen kann ein einzelner kritischer Hotspot innerhalb von Minuten zu einem Vollbrand führen.
Die Thermografie klassifiziert Hotspots nach IEC TS 62446-3 in Prioritätsstufen: Niedrig (ΔT 5–10 K), Mittel (ΔT 10–30 K), Hoch (ΔT 30–50 K) und Kritisch (ΔT > 50 K). Module der Kategorie Hoch und Kritisch sollten umgehend außer Betrieb genommen und ausgetauscht werden.
Überhitzte DC-Steckverbindungen
MC4-Steckverbindungen sind die am häufigsten eingesetzten DC-Verbinder in PV-Anlagen. Sie sind für Gleichströme bis 30 A bei korrekter Ausführung zuverlässig – aber sie sind empfindlich gegenüber falscher Montage. Häufige Fehler bei der Installation sind: nicht vollständig eingerastete Stecker, Verwendung von Steckern unterschiedlicher Hersteller (Inkompatibilität), zu weite Biegeradien der Kabel an den Steckern sowie fehlende oder unzureichende Zugentlastung.
Jeder dieser Fehler erhöht den Übergangswiderstand der Verbindung. Nach dem ohmschen Gesetz führt erhöhter Widerstand bei gleichem Strom zu mehr Wärmeentwicklung. Diese Wärme ist im Thermogramm sichtbar – als heller Punkt an der Steckverbindung, der sich deutlich von der Umgebungstemperatur unterscheidet. Bei der Handthermografie der BOS-Komponenten werden Anschlusskästen und alle zugänglichen Steckverbindungen geprüft.
Brandrisiko Wechselrichter und Anschlusskästen
Wechselrichter und DC-Anschlusskästen (Stringboxen) konzentrieren auf kleiner Fläche hohe elektrische Leistung. Überhitzungen entstehen durch fehlerhafte Kontaktierungen, überlastete Sicherungen, Kondensatoreinfälle (bei älteren Wechselrichtern nach 10+ Jahren) sowie unzureichende Belüftung bei nachträglicher Verkapselung.
Wechselrichter verfügen über interne Temperaturschutzabschaltungen – aber diese verhindern keinen Brand, wenn die Überhitzung nicht vom Wechselrichter selbst, sondern von externen Komponenten ausgeht. Die Handthermografie prüft alle Gehäuseoberflächen, Kabeleinführungen und Klemmleisten auf Temperaturanomalien. Auffälligkeiten über 60–70 °C an Verbindungsstellen sind Warnsignale, die unmittelbare Inspektion durch einen Elektrofachbetrieb erfordern.
Normen und Vorschriften zum Brandschutz bei PV
Für den Brandschutz von PV-Anlagen gelten mehrere Normen und Richtlinien parallel. Die VdS 3145 „Photovoltaik-Anlagen – Planung und Installation" ist die wichtigste Richtlinie der deutschen Versicherungswirtschaft und enthält spezifische Anforderungen an Brandschutzmaßnahmen, Leitungsführung und Prüfpflichten. Versicherungen, die sich auf VdS-Bedingungen beziehen, können bei Nichteinhaltung die Leistung kürzen.
Die DIN VDE 0100-712 regelt elektrische Anlagen in PV-Systemen und schreibt unter anderem Schutzmechanismen gegen Lichtbögen, Isolationsüberwachung sowie die Anforderungen an Trennmöglichkeiten vor. Die DGUV Vorschrift 3 verpflichtet Betreiber gewerblicher Anlagen zur wiederkehrenden Prüfung elektrischer Betriebsmittel durch eine Elektrofachkraft.
Die IEC TS 62446-3 – die Norm für thermografische Inspektion von PV-Anlagen – ist zwar keine Brandschutznorm im engeren Sinne, aber die methodische Grundlage für die Identifizierung aller wärmebezogenen Risiken. Ein normkonformer Thermografie-Bericht nach dieser Norm ist das belastbare Dokument für Versicherungen, Sachverständige und Behörden.
Thermografie als aktive Brandschutzmaßnahme
Die präventive Wirkung der Thermografie liegt in der zeitlichen Dimension: Thermografisch erkennbare Anomalien entstehen typischerweise Wochen bis Monate, bevor sie zu einem Brandrisiko werden. Ein beginnendes Lichtbogenrisiko an einer Steckverbindung zeigt sich zunächst als geringe Temperaturerhöhung von 10–15 K – lange bevor die Temperatur kritische Werte erreicht. Diese frühe Erkennbarkeit ist der entscheidende Vorteil gegenüber reaktiven Maßnahmen.
Die Drohnen-Thermografie erfasst alle Module und – in Kombination mit der Handthermografie der BOS-Komponenten im Komplett- oder Premium-Paket – alle elektrischen Verbindungen der Anlage. Das Ergebnis ist ein vollständiges thermisches Zustandsbild, das alle aktiven Wärmequellen identifiziert, klassifiziert und in einem Lageplan verortet. Betreiber erhalten damit eine priorisierte Maßnahmenliste, die klar angibt, welche Befunde sofortige Abschaltung erfordern, welche bei der nächsten Wartung behoben werden sollten und welche beobachtet werden.
Empfohlene Prüfintervalle nach VdS und IEC
| Prüfung | Intervall | Grundlage |
|---|---|---|
| Sichtprüfung durch Betreiber | Jährlich | VdS 3145, Versicherungsvertrag |
| E-Prüfung durch Elektrofachkraft | Alle 4 Jahre | DGUV V3, DIN VDE 0105-100 |
| Thermografische Inspektion | Alle 2 Jahre | VdS 2858, IEC TS 62446-3 |
| Außerplanmäßige Inspektion | Nach Ereignis | Nach Hagel, Sturm, Überspannung |
Häufige Fragen
Können Solaranlagen wirklich einen Brand verursachen?
Ja. Laut Statistiken des VdS und von Feuerwehrverbänden verursachen PV-Anlagen eine wachsende Zahl von Gebäudebränden. Die Hauptursachen sind Lichtbogenentladungen an DC-Steckverbindungen, Hotspots durch defekte Zellen sowie überhitzte Kabel und Wechselrichter. DC-Leitungen stehen unter Sonneneinstrahlung immer unter Spannung und können nicht einfach abgeschaltet werden.
Was ist ein Lichtbogen bei Solaranlagen?
Ein Lichtbogen entsteht, wenn Strom durch eine Luftstrecke zwischen zwei Leitern fließt – etwa an gelockerten Steckverbindungen. DC-Lichtbögen sind besonders gefährlich, weil sie ohne Nulldurchgang kontinuierlich brennen und Temperaturen über 3.000 °C erreichen können.
Wie oft sollte eine Thermografie zum Brandschutz erfolgen?
VdS empfiehlt alle zwei Jahre. Nach besonderen Ereignissen wie Hagel, Sturm oder Überspannung sollte eine außerplanmäßige Inspektion beauftragt werden. Für Versicherungen mit Thermografie-Obliegenheit ist der Zweijahresrhythmus oft Vertragsbestandteil.
Was sind typische Anzeichen für ein Brandrisiko?
Sichtbare Zeichen sind selten. Im Monitoring können Isolationsfehler-Warnmeldungen oder AFCI-Auslösungen Hinweise geben. Zuverlässig erkennbar sind Brandrisiken nur durch Thermografie: Hotspots über 80 °C und Wärmeanomalien an Steckverbindungen sind klare Warnsignale.
Betroffen? Wir helfen weiter.
Charged Elements GmbH – normkonforme Thermografie-Inspektion nach IEC TS 62446-3. Hamburg und Norddeutschland.
Kostenlose Anfrage stellen →