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Agri-PV Inspektion: Thermografie für Agri-Photovoltaik-Anlagen

Agri-PV – die Kombination von landwirtschaftlicher Nutzung und Photovoltaik auf derselben Fläche – ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente im deutschen Solarmarkt. Die besonderen konstruktiven Merkmale von Agri-PV-Anlagen stellen auch die thermografische Inspektion vor neue Herausforderungen. Dieser Artikel erklärt was Betreiber und Planer bei der Inspektion von Agri-PV-Anlagen wissen müssen.

Was ist Agri-PV?

Agri-PV bezeichnet Photovoltaik-Anlagen die so konstruiert sind, dass die darunter oder daneben liegende landwirtschaftliche Nutzfläche weiterhin produktiv bewirtschaftet werden kann. Die Solarmodule sind dabei in der Regel auf erhöhten Gestellen montiert (typisch 3–6 m lichte Höhe) oder vertikal aufgestellt, um den Durchgang von Maschinen und Tieren zu ermöglichen.

In Deutschland fördern das EEG und verschiedene Bundesländerprogramme Agri-PV mit Aufschlägen auf die Einspeisevergütung – vorausgesetzt die Anlage erfüllt definierte Kriterien für die Doppelnutzung. Die DIN SPEC 91434 definiert Mindestanforderungen für Agri-PV-Systeme in Deutschland.

Typen von Agri-PV-Anlagen

Überspannende Anlagen (Overhead-Agri-PV): Die häufigste Form. Module werden horizontal oder leicht geneigt auf hohen Gestellen montiert, darunter werden Kulturen angebaut oder Tiere gehalten. Typische Anwendungen: Beerensträucher, Gemüse, Weide für Schafe und Rinder.

Vertikale Bifazial-Anlagen: Module werden vertikal (ost-west-ausgerichtet) in Reihen aufgestellt, zwischen denen Ackerbau mit normalen Maschinen stattfinden kann. Diese Form ermöglicht maximale Flächeneffizienz und wird besonders für Getreide und Raps eingesetzt.

Interrow-Systeme: Module werden in niedrigerer Aufständerung zwischen den Anbaureihen installiert. Häufig bei Weinreben, Obstplantagen und Sonderkulturen.

Inspektions-Besonderheiten bei Agri-PV

Agri-PV-Anlagen weisen gegenüber klassischen Freiflächenanlagen mehrere Besonderheiten auf, die die thermografische Inspektion anspruchsvoller machen:

Erhöhte Modulhöhe: Bei Overhead-Systemen hängen die Module 3–6 m über dem Boden. Das ändert den optimalen Drohnenflugabstand und damit die Kalibrierung der IR-Kamera. Wir passen unsere Flugparameter an die Anlagenhöhe an.

Wärmeentwicklung unter Modulen: Die Bewachsung unter den Modulen führt zu einem anderen Wärmehintergrund als bei Bodenbelägen. Dies erfordert erfahrene Auswertung um Modulwärme von Bodenwärme zu unterscheiden.

Maschinenzugang eingeschränkt: Bei laufendem landwirtschaftlichen Betrieb müssen Inspektionstermine mit den Bewirtschaftungszyklen abgestimmt werden. Eine Befliegung kurz nach der Ernte oder vor der Bestellung ist ideal.

Bewuchs im Sichtfeld: Hoher Bewuchs oder Obstbäume können Teile der Anlage im Drohnenflug abschatten. Bei Obstplantagen-Agri-PV ist die Befliegung in der laubfreien Zeit (November–März) zu bevorzugen.

Bifazialmodule und Thermografie

Viele Agri-PV-Anlagen – insbesondere vertikale Bifazial-Systeme – verwenden Module die von beiden Seiten Licht erzeugen. Bei der Thermografie von bifazialen Modulen ist zu beachten, dass die Rückseite des Moduls ebenfalls zur Energieerzeugung beiträgt und entsprechend warm sein kann. Die Interpretation von Thermogrammen erfordert bei Bifazialmodulen mehr Erfahrung, da normale Betriebswärme auf der Rückseite nicht mit Defekten verwechselt werden darf.

Die normkonformen Messbedingungen nach IEC TS 62446-3 gelten auch für Bifazialmodule. Bei vertikalen Anlagen sind die Anforderungen an den Einfallswinkel der Sonnenstrahlung anders als bei geneigten Anlagen – die Inspektion sollte zu Zeiten hoher direkter Einstrahlung von der aktiven Modulseite erfolgen.

Drohnenflug über landwirtschaftlichen Flächen

Für den Drohnenflug über Agri-PV-Anlagen gelten dieselben gesetzlichen Regelungen wie für andere Freiflächenanlagen. Zu beachten ist, dass landwirtschaftliche Flächen auch außerhalb von Naturschutzgebieten besondere Anforderungen an die Drohnenbefliegung haben können – insbesondere bei Tierhaltung im Freiland. Hühner, Schafe und Rinder können durch tieffliegende Drohnen gestresst werden.

Wir koordinieren Inspektionstermine bei Anlagen mit Tierhaltung so, dass die Tiere vor dem Drohnenflug von der Anlage ferngehalten werden. Bei Schafen und Rindern ist in der Regel eine 30-minütige Eingewöhnungszeit ausreichend. Für sensible Geflügelhaltung empfehlen wir die Inspektion außerhalb der Hauptaktivitätszeiten der Tiere.

Inspektion bei Beweidung und Freilandhaltung

Agri-PV mit Schafbeweidung ist die häufigste Kombination in Deutschland – Schafe halten den Bewuchs unter den Modulen kurz und sind pflegeleicht. Bei solchen Anlagen empfehlen wir die Thermografie-Inspektion zu Terminen an denen die Schafe kurzzeitig aus der Anlage geführt werden können. Dies ist mit den Betreibern im Vorfeld abzusprechen.

Schäden durch Tierbisse an Modulkabeln und Steckverbindungen sind bei Agri-PV mit Tierauslauf häufiger als bei klassischen Freiflächenanlagen. Diese Schäden führen zu charakteristischen thermischen Auffälligkeiten die im Komplett-Paket mit Handthermografie der Bodenstrang-Infrastruktur zuverlässig erfasst werden.

Empfohlene Intervalle für Agri-PV

Für Agri-PV-Anlagen empfehlen wir aufgrund der erhöhten mechanischen Belastung (Landmaschinenerschütterungen, Tierauslauf, Klimastress durch Bewuchs) eine Thermografie-Inspektion im jährlichen Rhythmus statt der üblichen 2-Jahres-Empfehlung. Die erste Inspektion sollte unmittelbar nach Inbetriebnahme als Abnahmeinspektion erfolgen, um den Ausgangszustand zu dokumentieren.

Für die Fördervoraussetzungen nach EEG sollte die jährliche Inspektion in das Betriebstagebuch aufgenommen und die Berichte archiviert werden – sie sind Teil der Dokumentationspflichten für geförderte Agri-PV-Anlagen.

Normen und Fördervoraussetzungen

Für Agri-PV in Deutschland gilt die DIN SPEC 91434 als technische Grundnorm. Sie definiert die Mindestanforderungen für die Doppelnutzung und ist Voraussetzung für die EEG-Sonderförderung. Für die thermografische Inspektion bleibt die IEC TS 62446-3 der maßgebliche Standard – unabhängig vom Anlagentyp.

Wichtig für Betreiber die EEG-Förderung beziehen: Die regelmäßige technische Dokumentation ist Bestandteil der Betreiberpflichten. Ein normkonformer Thermografie-Bericht alle 1–2 Jahre ist die sicherste Dokumentationsgrundlage.

Häufige Fragen

Kann man Agri-PV-Anlagen genauso wie normale Solarparks inspizieren?

Grundsätzlich ja – die Thermografie-Methodik ist dieselbe. Besonderheiten entstehen durch erhöhte Modulhöhe, Bifazialmodule und die Koordination mit dem landwirtschaftlichen Betrieb. Erfahrung mit Agri-PV ist bei der Auswertung wichtig.

Was kostet eine Agri-PV-Inspektion?

Die Kosten richten sich nach Anlagengröße und Paket – identisch zu anderen Freiflächenanlagen. Besonderheiten wie Mehraufwand für erhöhte Gestelle oder Koordination mit dem Landwirt werden individuell besprochen. Richtpreise im Preisrechner.

Müssen Tiere für die Inspektion aus der Anlage?

Bei Drohnenbefliegungen empfehlen wir es, ist aber nicht zwingend erforderlich. Die Handthermografie der Bodenstrang-Infrastruktur erfordert Zugang zu den Kabelwegen – hier sollten Tiere kurzzeitig ferngehalten werden.

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