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Inspektion Solaranlage: Ablauf, Methoden & wann sie nötig ist

Eine Solaranlage zu inspizieren bedeutet mehr als einmal im Jahr aufs Dach zu schauen. Eine vollständige Inspektion umfasst die thermografische Prüfung jedes Moduls, die elektrische Überprüfung der BOS-Komponenten und die normkonforme Dokumentation. Dieser Artikel erklärt was eine professionelle Inspektion leistet, wie sie abläuft und was sie kostet.

Was ist eine Solaranlage-Inspektion?

Eine Solaranlage-Inspektion ist eine systematische technische Prüfung einer Photovoltaikanlage auf Mängel, Defekte und Leistungsabweichungen. Sie unterscheidet sich von einer einfachen Sichtprüfung dadurch, dass sie mit Messinstrumenten und Spezialausrüstung durchgeführt wird und ein dokumentiertes Ergebnis liefert, das für Versicherungen, Garantieansprüche und Wartungsplanung verwertbar ist.

In der Praxis werden Inspektionen nach einem festen Schema durchgeführt: visuelle Prüfung, Thermografie-Befliegung, Handthermografie der Elektrokomponenten und abschließend ein normkonformer Bericht. Je nach Anlass und Anforderung kann die Inspektion als einfacher Zustandsbericht oder als vollständiges Gutachten mit gutachterlicher Stellungnahme abgeschlossen werden.

Inspektionsmethoden im Vergleich

Sichtprüfung: Die einfachste und kostengünstigste Methode. Sichtbar sind: Glasbrüche, Rahmenschäden, grobe Verschmutzungen, sichtbare Kabelschäden und Korrosion. Nicht sichtbar sind: Mikrorisse, Hotspots, PID, interne Zelldefekte, Steckverbindungsprobleme und die meisten frühen Defekte. Die Sichtprüfung ist sinnvoll als ergänzende Maßnahme – als alleinige Inspektionsmethode völlig unzureichend.

Elektrische Messungen: Messung von Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom und Isolationswiderstand nach DIN EN 62446-1. Liefert Informationen über String-Leistung und Isolationsqualität. Kann auf String-Ebene Abweichungen zeigen, aber nicht auf Modulebene lokalisieren welches Modul defekt ist.

Elektrolumineszenz (EL): Hochauflösende Bildgebung auf Zellebene. Zeigt Mikrorisse, PID und Zelldefekte mit hoher Detailtiefe. Nachteil: Die Anlage muss abgeschaltet sein, die Messung ist zeitaufwendig pro Modul und in der Praxis für große Anlagen schwer umsetzbar.

Infrarot-Thermografie: Flächendeckende Prüfung aller Module im laufenden Betrieb. Erkennt Hotspots, PID-Muster, Bypass-Dioden-Fehler, Steckverbindungsprobleme und Komponentendefekte. Mit Drohne skaliert die Methode auf beliebige Anlagengrößen. Die Thermografie nach IEC TS 62446-3 ist der Standard für professionelle Inspektionen.

Ablauf einer professionellen Inspektion

Eine vollständige thermografische Inspektion läuft in vier Schritten ab. Zunächst erfolgt die Vorbereitung: Sichtung der Anlagendokumentation, Wetterfensterplanung und gegebenenfalls Beantragung von Flugerlaubnissen für die Drohnenbefliegung.

Vor Ort wird dann die Drohnen-Thermografie durchgeführt: GPS-gesteuerte Befliegung aller Module mit simultaner IR- und RGB-Kamera, 100 % Modulabdeckung. Anschließend folgt die Handthermografie der BOS-Komponenten: Wechselrichter, DC-Anschlusskästen, Stringboxen und Kabeltrassen werden mit der IR-Handkamera auf Überhitzungen geprüft. Alle Messbedingungen werden protokolliert.

Die Auswertung erfolgt nach IEC TS 62446-3: Alle Thermogramme werden georeferenziert ausgewertet, Anomalien klassifiziert und im Bericht mit Lageplan, Temperaturdaten und Handlungsempfehlungen dokumentiert. Der Bericht steht typischerweise innerhalb von 5 Werktagen nach der Inspektion zur Verfügung.

Inspektionsintervalle und gesetzliche Pflichten

Eine gesetzliche Inspektionspflicht für PV-Anlagen gibt es nicht direkt. Indirekt sind gewerbliche Betreiber über die Betriebssicherheitsverordnung zur sicheren Instandhaltung elektrischer Anlagen verpflichtet. Viele Versicherungsverträge machen regelmäßige Inspektionen zur Bedingung für den vollen Versicherungsschutz – oft mit explizitem Verweis auf VdS 2858.

Die VdS-Richtlinie 2858 empfiehlt für gewerbliche PV-Anlagen eine thermografische Inspektion alle zwei Jahre. Für Solarparks und Industrieanlagen gilt oft ein engeres Intervall. Nach besonderen Ereignissen wie Hagel, Sturm oder Überspannung ist unabhängig vom regulären Intervall eine außerplanmäßige Inspektion angezeigt.

Thermografie als Kernmethode

Die Infrarot-Thermografie ist aus drei Gründen die dominierende Inspektionsmethode für professionelle PV-Inspektionen: Sie prüft jedes einzelne Modul einer Anlage jeder Größe ohne Betriebsunterbrechung, sie erkennt die meisten relevanten Defekttypen (Hotspots, PID, Bypass-Dioden, BOS-Defekte) zuverlässig und die Ergebnisse sind in einem normierten Format dokumentierbar.

Für die IEC-konforme Inspektion gelten definierte Mindestanforderungen an Kameraauflösung, Messbedingungen und Berichtsinhalte. Nur eine Inspektion die diese Anforderungen erfüllt, liefert Ergebnisse die für Versicherungen und Gewährleistungsansprüche verwertbar sind.

Was wird im Bericht dokumentiert?

Ein normkonformer Inspektionsbericht nach IEC TS 62446-3 enthält: Georeferenzierte Thermogramme aller Module mit GPS-Koordinaten, Klassifikation aller thermischen Anomalien nach Temperaturdifferenz und Priorität, Lageplan der gesamten Anlage mit eingezeichneten Befunden, vollständiges Messbedingungsprotokoll, Ertragsverlustkalkulation in kWh und Euro sowie Handlungsempfehlungen mit Prioritäten. Im Premium-Paket kommt die gutachterliche Stellungnahme hinzu.

Wann ist eine außerplanmäßige Inspektion nötig?

Folgende Ereignisse erfordern eine sofortige außerplanmäßige Inspektion unabhängig vom regulären Inspektionsrhythmus: Hagelschlag oder schwere Sturmereignisse, Blitzeinschlag in der Anlage oder deren Nähe, auffälliger Ertragsrückgang ohne erkennbare Ursache im Monitoring, Brandvorfälle oder Brandspuren in der Anlage sowie bevorstehender Ablauf der Gewährleistungsfrist ohne bisher dokumentierten Zustand.

Kosten einer Inspektion

Die Kosten hängen von Anlagengröße und Paket ab. Das Basis-Paket umfasst die Drohnen-Thermografie mit normkonformem Bericht. Das Komplett-Paket ergänzt die Handthermografie der BOS-Komponenten. Das Premium-Paket enthält zusätzlich die gutachterliche Stellungnahme. Alle Preise sind sofort im Preisrechner auf der Startseite kalkulierbar – inklusive Fahrtkosten nach Standort.

Häufige Fragen

Was gehört zur Inspektion einer Solaranlage?

Eine vollständige Inspektion umfasst thermografische Prüfung aller Module nach IEC TS 62446-3, Handthermografie der BOS-Komponenten, Sichtprüfung auf mechanische Schäden und einen normkonformen Bericht mit Georeferenzierung und Klassifikation.

Wie oft sollte eine Solaranlage inspiziert werden?

Nach VdS 2858 alle zwei Jahre für Gewerbe- und Industrieanlagen. Zusätzlich nach Extremwetterereignissen und vor Ablauf der Gewährleistungsfrist.

Kann ich meine Solaranlage selbst inspizieren?

Eine einfache Sichtprüfung ist selbst durchführbar. Eine professionelle Inspektion mit normkonformem Bericht nach IEC TS 62446-3 erfordert Spezialausrüstung und Erfahrung. Nur normkonforme Berichte sind für Versicherungen und Gewährleistungsansprüche verwertbar.

Muss die Anlage abgeschaltet werden?

Nein. Die thermografische Inspektion erfolgt vollständig im laufenden Betrieb – die Anlage muss sogar in Betrieb sein damit Defekte durch entstehende Wärme sichtbar werden.

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