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Wann macht eine Solar Thermografie Sinn?

Eine Photovoltaikanlage gibt selten Laut, wenn etwas nicht stimmt. Defekte Zellen, überhitzte Anschlusskästen und schleichende Degradation bleiben im Verborgenen – bis der Ertrag spürbar einbricht oder im schlimmsten Fall ein Brand entsteht. Die Solar Thermografie macht diese unsichtbaren Schwachstellen sichtbar. Aber wann lohnt sich eine Inspektion wirklich, und wann ist der richtige Zeitpunkt?

Was ist Solar Thermografie?

Bei der Solar Thermografie wird eine Infrarotkamera – entweder per Drohne oder als Handgerät – eingesetzt, um die Wärmeabstrahlung von Solarmodulen im laufenden Betrieb zu messen. Defekte Bauteile erhitzen sich stärker als funktionierende, weil elektrische Energie in Wärme umgewandelt wird, anstatt als Strom abgeleitet zu werden. Diese Temperaturdifferenzen werden im sogenannten Thermogramm als Farbspektrum sichtbar gemacht.

Das Verfahren ist berührungslos, zerstörungsfrei und ohne Betriebsunterbrechung durchführbar. Die Anlage muss für die Inspektion nicht abgeschaltet werden – sie muss sogar unter Last laufen, damit sich Defekte thermisch ausprägen. Eine professionelle Inspektion nach IEC TS 62446-3 liefert ein vollständiges Bild aller Anomalien: von einzelnen Zellschäden über Bypass-Dioden-Defekte bis hin zu überhitzten Anschlusskästen.

Wichtig: Die Qualität einer Thermografie hängt stark von den Messbedingungen ab. Mindestens 500 W/m² Sonneneinstrahlung, maximal 2/8 Bewölkung und Wind unter 4 Beaufort sind Voraussetzung für verwertbare Ergebnisse. Deshalb ist die Planung des richtigen Zeitfensters entscheidend.

Die 6 wichtigsten Zeitpunkte für eine PV-Thermografie

Es gibt keine universelle Antwort darauf, wann genau eine Solar Thermografie durchgeführt werden sollte. Die Antwort hängt vom Alter der Anlage, den Betriebsbedingungen und dem Anlass ab. Folgende sechs Situationen rechtfertigen eine Inspektion fast immer:

01
Nach der Inbetriebnahme – Abnahmeinspektion

Eine Thermografie unmittelbar nach der Installation deckt Fehler auf, die während Lagerung, Transport und Montage entstanden sind. Mikrorisse, falsch verlegte Strings und fehlerhafte Anschlussdosen bleiben sonst unentdeckt, bis der erste Ertragsbericht enttäuscht. Wichtig: Als Auftraggeber haben Sie in dieser Phase noch Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Installateur. Ein Thermografiebericht bildet hier die entscheidende Dokumentationsgrundlage.

02
Regelmäßige Wartungsinspektion alle 2–4 Jahre

Für Gewerbe- und Industrieanlagen empfiehlt die VdS-Richtlinie 2858 eine thermografische Inspektion elektrischer Anlagen jährlich. Für PV-Anlagen hat sich in der Praxis ein Intervall von 2–4 Jahren etabliert, das wirtschaftlich sinnvoll und technisch ausreichend ist. Schleichende Defekte wie PID-Degradation oder Delamination entwickeln sich langsam – regelmäßige Kontrolle verhindert, dass aus einem kleinen Problem ein teurer Ausfall wird.

03
Nach Extremwetterereignissen

Hagelschlag, Sturm und Blitzschlag können optisch unsichtbare Schäden verursachen. Mikrorisse entstehen oft erst Wochen nach einem Hagelereignis vollständig, wenn die mechanische Belastung sich durch Temperaturwechsel im Material fortgesetzt hat. Eine Thermografie nach einem Unwetter ist in den meisten Fällen Voraussetzung für eine erfolgreiche Versicherungsregulierung – ohne dokumentierten Befundbericht verweigern viele Versicherer die Leistung.

04
Bei merklichem Ertragsverlust

Wenn das Monitoring eine Abweichung von mehr als 5–10 % gegenüber den Erwartungswerten zeigt und weder Verschattung noch Verschmutzung als Ursache infrage kommen, ist eine Thermografie der logische nächste Schritt. Sie liefert innerhalb eines Befliegungstermins eine vollständige Diagnose – ohne Demontage, ohne Betriebsunterbrechung. Oft stecken hinter einem scheinbar kleinen Ertragsverlust mehrere parallele Defekte, die sich einzeln kaum bemerkbar machen.

05
Vor Ablauf der Herstellergarantie

Die meisten Modulhersteller geben eine Leistungsgarantie von 10, 12 oder 25 Jahren. Kurz vor Ablauf dieser Fristen lohnt es sich, den Zustand systematisch zu dokumentieren. Werden dabei Mängel gefunden, die auf einen Produktionsfehler schließen lassen, kann ein Thermografiebericht als Grundlage für Garantieansprüche gegenüber dem Hersteller dienen. Diese Chance verstreicht unwiderruflich, wenn die Garantiefrist erst einmal abgelaufen ist.

06
Beim Kauf oder Verkauf einer PV-Anlage

Wer eine Bestandsanlage kauft oder verkauft, braucht Sicherheit über deren tatsächlichen Zustand. Eine Thermografie als Teil der Technical Due Diligence schützt Käufer vor versteckten Mängeln und gibt Verkäufern ein neutrales Gutachten an die Hand. Für Investoren und Fonds, die ganze Solarpark-Portfolios erwerben, ist die thermografische Zustandsbewertung mittlerweile Standard.

Was kostet eine Solar Thermografie?

Die Kosten einer PV-Thermografie hängen von der Anlagengröße, dem Standort und dem gewünschten Leistungsumfang ab. Eine pauschale Preisangabe ist deshalb nicht seriös – der Markt bewegt sich jedoch in nachvollziehbaren Spannen:

Preisanfrage: Die Kosten einer PV-Thermografie hängen von Anlagengröße, Standort und gewünschtem Berichtsumfang ab. Wir erstellen Ihnen auf Anfrage ein individuelles Angebot – sprechen Sie uns an.

Für Gewerbe- und Industrieanlagen ab 500 kWp bieten wir eine kostenlose thermografische Voranalyse an. Sie zahlen lediglich die Anfahrtskosten von nach Absprache. Die Voranalyse umfasst die vollständige IR-Befliegung, die Identifikation aller auffälligen Module und eine erste Schätzung des Ertragsverlusts – ohne Vorabverpflichtung.

Wirtschaftlichkeit: Unentdeckte Defekte verursachen jährliche Ertragsverluste, die sich über die Laufzeit einer Anlage erheblich summieren. In den meisten Fällen amortisiert sich eine Inspektion schnell – vorausgesetzt, gefundene Defekte werden behoben.

Welche Defekte erkennt die PV-Thermografie?

Die Solar Thermografie erkennt alle Anomalien, die sich thermisch – also durch erhöhte oder verminderte Wärmeabstrahlung – äußern. Das sind im Wesentlichen:

Hotspots entstehen, wenn einzelne Zellen einen erhöhten Widerstand aufweisen und Energie in Wärme umwandeln statt in Strom. Sie sind die häufigste Einzelursache für PV-Brände – ab einer Temperaturdifferenz von 30 K gegenüber der Umgebung besteht akuter Handlungsbedarf. Bypass-Dioden-Defekte erzeugen ein charakteristisches Muster: ein gleichmäßig erhitzter Streifen über ein Drittel oder ein Viertel des Moduls, entsprechend der Zellstrangaufteilung.

PID-Degradation (Potential Induced Degradation) zeigt sich durch erhöhte Randtemperaturen und kann bei längerfristiger Einwirkung bis zu 30 % Leistungsverlust verursachen. Das Tückische: PID ist reversibel, wenn es früh erkannt wird – aber irreversibel, wenn es zu lange unentdeckt bleibt. Anschlusskasten-Defekte mit überhitzten Verbindern oder korrodierten Kontakten werden ebenfalls sichtbar und sind eine der häufigsten Ursachen für Systemausfälle.

Nicht erkennbar durch Thermografie allein sind feine Mikrorisse, die noch keinen thermisch messbaren Ausfall verursachen. Für den Nachweis früher Zellenrisse ist eine ergänzende Elektrolumineszenzmessung das geeignetere Verfahren.

Solar Thermografie vs. Elektrolumineszenzmessung

Beide Verfahren sind zerstörungsfrei und liefern wertvolle Informationen über den Zustand von Solarmodulen – aber sie messen verschiedene Dinge und eignen sich für unterschiedliche Fragestellungen:

Kriterium Solar Thermografie Elektrolumineszenz (EL)
Messprinzip Infrarotstrahlung im Betrieb Lumineszenzstrahlung im Dunkeln
Betriebszustand Anlage unter Last (Betrieb) Anlage abgeschaltet (Nacht)
Erkennbare Defekte Hotspots, PID, Bypassdioden, Kontakte Mikrorisse, inaktive Zellen, Fingerunterbrechungen
Ertragsrelevanz Direkt sichtbar (Wärme = Verlust) Indirekt (nicht alle Risse reduzieren Ertrag sofort)
Drohnentauglich Ja, großflächig möglich Bedingt (erfordert absolute Dunkelheit)
Versicherungskonform Ja (VdS 2858, IEC 62446-3) Ergänzend, kein Standard

In der Praxis empfehlen wir bei Verdacht auf mechanische Beschädigungen (Hagelschlag, Transportschäden) eine Kombination beider Verfahren: Die Thermografie liefert den Überblick und identifiziert alle aktiv wirksamen Verluste; die EL-Messung klärt, ob darüber hinaus strukturelle Schäden vorliegen, die sich später noch verschlimmern werden.

Für wen lohnt sich eine Thermografie besonders?

Grundsätzlich lohnt sich eine Thermografie für jede PV-Anlage ab etwa 20 kWp. Je größer die Anlage und je höher der wirtschaftliche Wert des erzeugten Stroms, desto eindeutiger die Kosten-Nutzen-Rechnung. Besonders sinnvoll ist eine Inspektion in folgenden Konstellationen:

Gewerbliche Betreiber mit Dachanlagen ab 100 kWp profitieren besonders, weil sie häufig Eigenverbrauch optimieren und der entgangene Ertrag direkt ihre Energiekosten erhöht. Solarpark-Betreiber und Investoren setzen Thermografie als Standard-Instrument im technischen Betrieb ein – oft kombiniert mit halbjährlichen Drohnenbefliegungen und automatisierter KI-Auswertung.

Für Installateure und EPC-Contractor ist eine Abnahme-Thermografie ein wirksames Instrument zur Qualitätssicherung: Sie dokumentiert den Zustand bei Übergabe lückenlos und schützt vor späteren Regressansprüchen. Versicherungen und Sachverständige nutzen Thermografiegutachten für die Schadensregulierung – besonders nach Hagelschlag oder Blitzeinschlag.

Kostenlose Voranalyse ab 500 kWp

Für Gewerbe- und Industrieanlagen ab 500 kWp übernehmen wir die vollständige thermografische Voranalyse ohne Honorar. Nehmen Sie Kontakt auf – wir erstellen Ihnen ein individuelles Angebot.

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Wann ist die beste Jahreszeit für eine Thermografie?

Die Solar Thermografie ist technisch nur dann verwertbar, wenn die Sonneneinstrahlung mindestens 500 W/m² beträgt und die Module unter Volllast betrieben werden. In Deutschland ist das zuverlässig von März bis September gegeben. Der Frühling (März bis Mai) hat dabei einen praktischen Vorteil: Die Anlage hat den Winter hinter sich, eventuelle Frost- oder Schneedruckschäden sind frisch entstanden, und die Temperaturen sind noch moderat – was den Kontrast zwischen heißen und kalten Flächen im Thermogramm begünstigt.

Im Sommer sind die Einstrahlungswerte zuverlässig hoch, aber die Umgebungstemperaturen ebenfalls – das reduziert den thermischen Kontrast bei kleinen Defekten leicht. Im Herbst nimmt die Sonneneinstrahlung ab Oktober für Thermografie-Inspektionen bereits zu wenig verlässlich aus. Eine Jahresende-Inspektion im Oktober ist noch möglich, wenn an sonnigen Tagen geplant wird; November bis Februar eignen sich in Deutschland in der Regel nicht.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Solar Thermografie? +

Die beste Jahreszeit ist März bis September, wenn die Sonneneinstrahlung zuverlässig über 500 W/m² liegt. Innerhalb der Saison ist kein Zeitpunkt grundsätzlich besser als ein anderer – entscheidend ist, dass die Anlage unter Volllast läuft und wolkenfreies Wetter herrscht.

Wie oft sollte eine PV-Anlage thermografiert werden? +

Die VdS-Richtlinie 2858 empfiehlt eine thermografische Inspektion elektrischer Anlagen jährlich. Für PV-Anlagen ist in der Praxis ein Intervall von 2–4 Jahren üblich und wirtschaftlich sinnvoll – je nach Anlagenalter, Versicherungsanforderungen und Betriebsbedingungen.

Muss die Anlage abgeschaltet werden? +

Nein. Die Solar Thermografie erfolgt berührungslos und kontaktlos im laufenden Betrieb. Die Anlage muss sogar unter Last in Betrieb sein, damit Defekte durch die entstehende Abwärme im Infrarotbild sichtbar werden. Es gibt keinerlei Ertragsausfall durch die Inspektion.

Lohnt sich eine Thermografie bei kleinen Anlagen? +

Ab etwa 10–20 kWp ist eine Thermografie wirtschaftlich sinnvoll. Unentdeckte Defekte verursachen jährliche Ertragsverluste, die sich über die Laufzeit einer Anlage erheblich summieren.

Was kostet eine Solar Thermografie? +

Die Kosten hängen von Anlagengröße, Standort und gewünschtem Berichtsumfang ab. Kontaktieren Sie uns – wir erstellen Ihnen ein individuelles Angebot.

Was ist der Unterschied zwischen Thermografie und Elektrolumineszenz? +

Die Solar Thermografie misst Wärmeabstrahlung im Betrieb und eignet sich besonders für Hotspots, Bypass-Dioden-Fehler und PID. Die Elektrolumineszenz macht Risse und Zellendefekte sichtbar, erfordert aber Dunkelheit und die Abschaltung der Anlage. Beide Methoden ergänzen sich – bei Verdacht auf Mikrorisse empfehlen wir eine Kombination.

Fazit

Eine Solar Thermografie macht immer dann Sinn, wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihre PV-Anlage das leistet, was sie leisten sollte. Die sechs wichtigsten Anlässe – Inbetriebnahme, regelmäßige Wartung, Extremwetter, Ertragsverlust, Garantieablauf und Anlagentransaktion – decken die meisten Situationen ab, in denen eine Inspektion Schäden verhindert oder Ansprüche absichert.

Entscheidend ist, dass die Inspektion von einem qualifizierten Thermografen nach IEC TS 62446-3 durchgeführt wird und ein strukturierter Bericht erstellt wird – nur dann ist das Ergebnis versicherungskonform, gerichtsverwertbar und als Grundlage für Gewährleistungsansprüche verwendbar.

Für Gewerbe- und Industrieanlagen ab 500 kWp bieten wir eine kostenlose Voranalyse an. Sprechen Sie uns an – wir klären gemeinsam, ob und wann eine Inspektion Ihrer Anlage sinnvoll ist.